
Traversflöte
Die historische Flöte zeigt den eigentümlichen Charme und Zauber des Flötentons in seiner ganzen Lieblichkeit. Der charmante Klang dieses Instruments veranlasste Herrscher wie Ludwig XIV, August den Starken, Friedrich den Großen, der selber ein hervorragender Flötist war, die besten Flötisten und Komponisten an den Hof zu holen. Bach, Telemann, Mozart und Beethoven komponierten für diesen Querflötentyp und bedachten das Instrument mit wunderschönen Werken. Bedeutende Lehrwerke wie die "Principes de la Flûte Traversière" von Jacques-Martin Hotteterre (Paris 1707) oder von Johann J. Quantz, "Versuch einer Anweisung, die Flöte traversière zu spielen" (Berlin 1752) wurden diesem beliebten Instrument in der Barockmusik gewidmet.
Mit "Traversflöte" sind die Querflötenmodelle der Zeit von Renaissance bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gemeint.
Aus Holz, meist aus Buchsbaum, Grenadill oder auch aus Elfenbein gefertigt und konisch gebohrt waren sie insbesondere in der Zeit des Barocks und bis zur Frühromantik - von Bach, über Beethoven bis hin zu Berlioz - ideal angepasst an die Klangideale ihrer Zeit. Klangfarbenreichtum und Beweglichkeit der Artikulation rückten dieses Instrument ins Zentrum der Kompositionen. Der Ton ist infolge des kleinen Mundlochs zart, betörend, warm und weich. Die reine Intonation erfordert großes technisches Können in Bezug auf Fingertechnik und Ansatz, da es sich bei dem einklappigen Flötenmodell um ein diatonisches Instrument handelt, dessen Applikatur bzw. Grifftechnik wie bei der Blockflöte auf die Dur-Tonleiter der sieben Grifflöcher eingestellt ist. Die Flöte ist in D gestimmt. Alle von dieser Tonart abweichenden Töne werden mit Gabelgriffen gespielt und erfordern einen anderen Ansatz. Sie klingen im Gegensatz zu den Grundtönen matter und dunkler und geben dem Instrument ein farbenreiches Timbre.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurden der Traversflöte weitere Klappen hinzugefügt, sämtliche Gabelgriffe entfielen. Sie läuteten eine Periode des Flötenbaus ein, in der die Querflöte immer mehr Klappen erhielt, welche einen einheitlicheren, strahlenden Klang zur Folge hatten. Mit dem Flötisten Johann G. Tromlitz (1726 – 1805) wurden 8-klappige Instrumente Anfang des 19. Jahrhunderts zum Standard.
Das Ensemble Amarilli verwendet u.a.den Nachbau Carlo Palancas einklappiger Grenadillflöte (18.Jhd.) und eine nach historischem Vorbild von Rudolf Tutz angefertigte Mehrklappenflöte (19.Jhd).